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Die Jenische Sprache wurde als Immaterielles Kulturerbe auf Bundesebene anerkannt
"An quante Schei, ihr Mosseme und Herrles."
(Guten Tag, ihr Damen und Herren)
Auf Empfehlung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft NRW ist dem Antrag des Sprachwissenschaftlers Dr. habil. Klaus Siewert / IGS auf Anerkennung der Rotwelsch-Dialekte in Deutschland als „Immaterielles Kulturerbe“ nun auch auf Bundesebene zugestimmt worden. Das haben die Deutsche UNESCO-Kommission, die Kulturministerkonferenz der Länder und das Bundesministerium für Kultur und Medien soeben bestätigt. Mit der Anerkennung verbunden ist die Aufnahme in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“. Der Aufnahme ging die Prüfung und Bewertung des Antragswerks sowie eine Empfehlung durch das unabhängige Fachkomitee für das Immaterielle Kulturerbe, das bei der Deutschen UNESCO-Kommission angesiedelt ist, voraus.
„Mit der nun auch auf nationaler Ebene erreichten Anerkennung von historischen Geheimsprachen in Deutschland ist im Blick auf die seinerzeit beargwöhnten, verfolgten und teilweise vernichteten Sprechergruppen – Menschen jüdischen Glaubens, Sinti und Roma und Jenische – zugleich ein Stück Erinnerungskultur geschaffen. Im Sinne der UNESCO-Konvention zum Erhalt des Immateriellen Kulturerbes geht es in der Zukunft um die Bewahrung und Weitergabe dieses sprach-, sozial- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Erbes – nicht also um eine museale Gedenksteinsetzung“, so Klaus Siewert.
Als erstes Museum in ganz Deutschland hat das Hohenloher Freilandmuseum eine Ausstellung über das ursprünglich reisende Volk der Jenischen etabliert. Die Minderheit der Jenischen in Deutschland zählt rund 200.000 Angehörige, ihre Geschichte ist kaum erforscht.
Aller Freiheits- und Landfahrer-Romantik zum Trotz: Die Geschichte der Jenischen ist auch eine Geschichte von erzwungener Armut, Ausgrenzung, Vertreibung und Verfolgung. Allzu oft wurde die Teilhabe am normalen Leben rechtlich, sozial und ökonomisch verwehrt – teilweise bis in unsere Zeit. Dabei waren Jenische fester Teil der Gesellschaft, als Kleingewerbler, Schausteller oder als fahrende Händler. Bis heute sprechen sie nur selten offen über ihre Herkunft und Sprache. Kein Wunder, denn lange Zeit hat man sie stigmatisiert und als Gesindel, Asoziale oder "Zigeuner" beschimpft. Im Dritten Reich wurden sie verfolgt und ermordet. Jenische blieben deshalb am liebsten unter sich und bewahrten die Geheimnisse ihrer Kultur lange Zeit für sich.
Jenisch, die Geheimsprache des fahrenden Volkes, hat in der Gemeinde Pfedelbach in den vergangenen Jahrzehnten wieder einen festen Platz gefunden. 1972 gab sich etwa die Schülerzeitung den jenischen Namen „Galmenguffer“. Die Theatergruppe des Bürgervereins Heuberg-Buchhorn führt Stücke in jenischer Sprache auf.
Michael Schenk, Pfedelbach-Gleichen, 06. Mai 2025
Jenisch in Pfedelbach
Ein Jahr im Zeichen unserer lebendigen Geschichte - 2026
Die Jenischen prägten über Jahrhunderte unsere Region – mit Sprache, Handwerk und Lebensart. 2026 feiern wir dieses
lebendige Kulturerbe gemeinsam.
Erleben Sie Geschichte, Sprache und Kultur der Jenischen – vom historischen Heuberg bis zum Schlossfest rund um das
Pfedelbacher Schloss. Die Jenische Sprache ist als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
„Mach de Hoor uf, s’isch ebbes Jenischs zom Höre!“
(Mach die Ohren auf, es gibt etwas Jenisches zu hören!)
Jenisch Jahr 2026 - Veranstaltungshighlights
Freitag, 27. März 2026 – Freitag, 29. Mai 2026
Ausstellung im Rathaus: „Pfedelbach und die Jenischen – eine gemeinsame Geschichte“
Einblicke in Sprache, Geschichte und Alltagsleben der Jenischen.
Ort: Rathaus Pfedelbach
Donnerstag, 21. Mai 2026
Ausstellungsführung
Die Gemeinde Pfedelbach bietet um 16.15 Uhr eine kostenlose Führung durch die Ausstellung an. Treffpunkt ist vor dem Rathaus Pfedelbach.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Freitag, 24. Juli 2026 – Sonntag, 26. Juli 2026
Schlossfest rund ums Pfedelbacher Schloss
Das Schlossfest rund ums Pfedelbacher Schloss lädt zu Theaterstücken und Sketchen zum Thema Jenisch sowie einer Ausstellung in der Schlosskapelle ein. Zusätzlich werden im Innenhof Führungen mit Waschfrau Marie angeboten. Alle weiteren Details hierzu finden Sie in der Programmübersicht zum Schlossfest.
Freitag, 16. Oktober 2026, 19:00 Uhr
Vortrag: „Die Jenischen in Heuberg“
Der Vortrag gibt Einblicke in die tief verwurzelten Lebenswege sowie Traditionen der Jenischen in unserer Region.
Ort: Bürgerhaus Heuberg-Buchhorn
Referent: Michael Schenk
Ausstellungsplakate zum Download
Hier finden Jenisch-Interessierte die Ausstellungsplakate zum Download:
Wer sind die Jenischen? / Woher kommen die Jenischen (PDF-Dokument, 16,6 MB, 20.04.2026)?
Grenzenlos - Jenische in Europa / Kein Weg zu weit - Schore und Geschichten (PDF-Dokument, 12,4 MB, 20.04.2026)
Geburt im Reisewagen / Unterwegs anno 1900 (PDF-Dokument, 7,20 MB, 20.04.2026)
Jenische heute - Tradition und Intergration (PDF-Dokument, 704,61 KB, 20.04.2026)
Rotwelsche Sprachgruppen (PDF-Dokument, 250,94 KB, 20.04.2026)
Jenische Sprache (PDF-Dokument, 11,5 MB, 20.04.2026)
Zinken - geheime Zeichen / Die Jenische Sprache und die Linguisten (PDF-Dokument, 18,2 MB, 20.04.2026)
Warum die Jenischen nach Pfedelbach kamen (PDF-Dokument, 278,91 KB, 20.04.2026)
Heuberg/Charlottenberg/Heuberg - Von Bauern, Grafen und einem neuen Dorf im Wald (PDF-Dokument, 1,32 MB, 20.04.2026)
Jenische Gewerbe in Pfedelbach (PDF-Dokument, 1,94 MB, 20.04.2026)
Die Renaissance des Jenischen in Pfedelbach (PDF-Dokument, 1,76 MB, 20.04.2026)
Jenische Siedlungen in Süddeutschland (eine Auswahl) (PDF-Dokument, 228,38 KB, 20.04.2026)
Weitere Jenische Siedlungen in Süddeutschland (PDF-Dokument, 403,30 KB, 20.04.2026)
Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung - Leben am Rande der Gesellschaft (PDF-Dokument, 1,35 MB, 20.04.2026)
Verfolgung im Nazionalsozialismus (PDF-Dokument, 1,48 MB, 20.04.2026)










